1938-2018 – 80 Jahre: Der Schoß ist fruchtbar noch! (Kurzbericht)

Mit an die 200 TeilnehmerInnen war unsere Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom 1938 sehr gut besucht. Herbert Löwe von den Friedenstrommlern stimmte mit Klezmer-artiger Klarinettenmusik vor der Gedenktafel „hinter der Sandkirche“, dem Platz des ehemaligen Gefängnisses, zum Gedenken ein. Johannes Büttner begrüßte anschließend und zog einen Bogen über die Geschichte des 9. November von 1848 (Erschießung Robert Blums) über 1918 (Kriegsende und Novemberrevolution), 1923 (faschistischer „Marsch auf die Feldherrenhalle“), 1938 (Reichspogromnacht) bis 1967 (Enthüllung des Transparents „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“) und 1989 (Mauerfall). Anschließend stellte Frank Sommer die Frage in den Raum, ob man selbst zum Widerstand gegen den Faschismus fähig gewesen wäre und gab eine persönliche Antwort, die darauf hinauslief, die Zeit, so lange es geht, zu nutzen, um ein „NIE WIEDER“ zu sichern.

Danach zog man – vorbei an „Stolpersteinen“ – zur Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge am Wolfsthalplatz, wo von der Stadt Aschaffenburg und dem DGB am Nachmittag bereits Kränze niedergelegt wurden. Die „Interventionistische Linke“ erinnerte an die Vorkommnisse der von den Faschisten so genannten „Kristallnacht“ an diesem Ort und rief dazu auf, das Gedenken zu nutzen, um dem neu aufkeimenden Rassimus und Antisemitismus entgegenzutreten. Reinhard Frankl (attac, GEW und Bündnis gegen Rechts) berichtete von Ermordungen und Verfolgungen in seiner Familie väterlicherseits, wies aber darauf hin, dass ein solcher familiärer Hintergrund nicht nötig sei, um des 9. November als Fanal zum Holocaust zu gedenken. Vielmehr sei wichtig, Verantwortung für ein „NIE WIEDER“ zu übernehmen, denn – wie das in den Redebeiträgen mehrfach zitierte, von Brecht entliehene Motto der Veranstaltung sage, der „Schoß ist fruchtbar noch“, insbesondere da heute die mit der AfD eine Parte im Bundestag und in allen Länderparlamenten sitzt, deren Spitzenfunktionäre eine Rhethorik übten, die sich ganz offen an die von Hitler und Goebbels anlehne. „AfD-Größen nehmen an Veranstaltungen von Götz Kubitscheks ‚Institut für Staatspolitik‘ in Schnellroda teil, einem Think-Tank der Neuen Rechten hier im Lande. Sie holen sich von dort politische Beratung. Sie marschieren zusammen mit extrem rechten Organisationen wie den Identitären oder dem so genannten III. Weg, wie z.B. in Dresden geschehen.“ Mit dem „Lied des Bundes“ (Soll sajn) und dem „Stillepenn-Schlufflied“ (Biermann) umrahmte er die Redebeiträge auf dem Wolfsthalplatz.

Einstimmung auf der Klarinette (youtube)

Redebeitrag Hans Büttner (youtube)

Redebeitrag_Nov918_jb

Redebeitrag_Nov918_rf (pdf)

 

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